Ironman 70.3 Zell am See – Ein durch und durch gebrauchter Tag…

Torsten schreibt über sein Rennen:

“Ein durch und durch gebrauchter Tag…

…mit einer Zeit über sechs Stunden wäre ich mit dem Triathlon durch gewesen! 05:59:59!“

So in etwa lautete das erste Fazit welches ich eine Stunde nach meinem Zieleinlauf beim Ironman 70.3 Zell am See an Christian übermittelt habe. Es folgte noch ein „weiteres im Blog“ und „muss das erst mal verdauen“. Aufgrund der ersten Reaktionen und Glückwünsche ist mir mittlerweile auch klar das sich meine Stimmung im Ziel nicht einfach aufgrund der Zeit erschließt, und zugegeben mittlerweile kann ich mit der sub 6h auch gut Leben. Allerdings die Einschätzung gebrauchter Tag bleibt, warum möchte ich euch im Anschluss mit meinem Erlebnisbericht erklären.

Bereits in den Tagen vor dem Wettkampf deutete sich an dass es mit meiner Laufform nicht ganz so “gut“ (entschuldigt bitte die Bezeichnung) stand als bei meinem Start in St. Pölten dieses Jahr (Laufsplit 2:02:00). Aber eine 2:10 oder so sollte doch möglich sein dachte ich und aufgrund der vielen Ansagen “Super schnelle Radstrecke!“ habe ich in Summe doch mit einer Zeit deutlich unter 6h geflirtet. Auch wenn die Wetterprognosen alles andere als schönes Wetter vorher sagten. Jedoch wusste ich bereits von meinem Start in St.Pölten das ich damit umgehen kann. Also habe ich am Samstag nach einer letzten lockeren Ausfahrt mein Bike in die Wechselzone geschoben. Und von diesem Moment an stieg eine bisher (in sportlicher Hinsicht) noch nicht gekannte Anspannung in mir auf. Die Nacht war der Horror da ich kaum Schlaf finden konnte und auch das Frühstück wollte irgendwie nicht an dem Klos im Hals vorbei rutschen. Obwohl es regnete und nur ca. 10° hatte war ich für meine Verhältnisse ziemlich früh in der Wechselzone und hatte noch ausreichend Zeit alles zu kontrollieren. Wechselsack „Bike“, CHECK! Wechselsack „Run“, CHECK! Bike, CHE..-SCHEIßE-Platten!!!!! Ok, erst mal Ruhe bewahren und mit Bedacht handeln. Wechselschlauch hatte ich Gott sei dank am Rad und Pumpen waren genügend im Umlauf. Als habe ich noch schnell den Schlauch gewechselt und beide Reifen wieder auf ca. 7,5bar aufgepumpt (laut Mantelangabe wäre 9bar zulässig). Aufgrund der warmen Kleidung und der Anspannung rann mir der Schweiß hierbei bereits in Strömen, was sich noch rächen sollte. Gerade als ich fertig war kam plötzlich ein Helfer von Bike Service und fragte ob er mir helfen kann. Nach einem kurzen Gespräch ließ ich mich breitschlagen doch wieder einen neuen Ersatzschlauch mitzunehmen. Auch wenn ich mir sicher war dass ich bei einer weiteren Panne aussteigen würde!

OK! Problem gelöst. Bike fertig und nun war es auch Zeit mich umzuziehen. Also ins Wechselzelt und den NEO an. Aufgrund der vorherigen Aktion wurde mir allerdings schnell klar das auch das nun nicht gerade leicht wird. Ja klar, Neo anziehen ist immer kompliziert aber klatschnass ist das die Hölle. Und so kam was kommen musste. Beim Versuch die Beine noch etwas höher zu ziehen riss mein Neopren über ca. 15cm an der Hinterseite eines Beines. Zu diesem Zeitpunkt war es ca. 20min vor Start und ich musste mich erst mal setzen. Zugegeben habe ich auch überlegt was mir noch alles passieren könnte (nasse Straßen, Massenstart, usw.) und ob ich nicht besser jetzt schon aussteige. Ich raffte mich jedoch wieder auf und zog meinen Neo fertig an und ging zum Start. Aufgrund der hektischen Start-Vorbereitung fand ich beim Schwimmen nie wirklich in meinen Rhythmus und wohl auch aufgrund der mangelnden Erfahrung bei Massenstartrennen klappte auch die Orientierung nicht wirklich. In Summe bin ich wohl etwa 200m zu viel geschwommen und mit meiner Schwimmzeit von 0:38:15 nicht wirklich zufrieden. ABER „beim Schwimmen kann man einen Triathlon nicht gewinnen jedoch verlieren!“ Mit dem Gedanken kam ich aus dem Wasser und machte mich auf den Weg in die Wechselzone. Diese ist in Zell am See sehr lang da es sich über zwei Fußballplätze zieht. Auf dem Weg ins Wechselzelt merkte ich dass sich bereits hier Verdauungsprobleme ankündigten und nach dem Umkleiden musste ich erst einmal in einem der blauen Häuschen verschwinden (was auch die extreme Wechselzeit erklärt! 😉 ).

Auf den ersten Radkilometern merkte ich bereits das meine Beine jedoch ziemlich gut geladen waren und heute vielleicht doch was möglich ist! So ging es mit einem Hochgefühl über die erste Radrunde. Diese ist wie versprochen extrem schnell (nur ca. 320 Hm im Anstieg pro Runde und viele langgezogene Abfahrten).  Auch die nassen Straßen waren, abgesehen von vielen Reifenplatzern wegen übersehenen Schlaglöchern, kein Problem, die Fahrweise der meisten Athleten war angepasst. Und so passierte ich nach ca. 1:22:xy Stunden die Abzweigung zur Wechselzone und somit die Hälfte der Radstrecke. Meine Beine waren immer noch frisch und somit wuchs das innere Hochgefühl noch weiter. Ca. bei km 55 wurde ich jedoch wieder geerdet! Beim Beschleunigen nach einer Kurve merkte ich das mein Hinterreifen (Ja, der aus der Wechselzone) wieder etwas wenig Luft enthielt. Und bis zur nächsten Kurve war er nahezu platt. Also blieb mir, entgegen meiner Einschätzung gegenüber dem Herren vom Radservice, nichts anderes übrig als den Schlauch erneut zu wechseln. Und da Übung bekanntlich den Meister macht war ich nach ca. 4-5min wieder unterwegs. Mit entsprechender Wut im Bauch ging es  weiter und ein paar der Athleten meiner Altersklasse konnte ich auch wieder einsammeln. So stellte sich doch wieder etwas Zufriedenheit ein und es ging in gewohnter Manier bis ca. km 75. Hier spürte ich plötzlich wie meine rechte Wade, welche mir in den letzten Wochen immer wieder Probleme bereitete, langsam verhärtete. Nach einigen erfolglosen Versuchen diese aufzudehnen beschloss ich ab Km 80 etwas lockerer „auszuradeln“. Mit kleinerem Gang ging es dann bis in die Wechselzone und trotz allem blieb die Uhr deutlich unter drei Stunden bei 2:48:25 was mich im Nachhinein nun echt freut. Im Wettkampf hat man jedoch mehr die verlorenen Minuten im Kopf und somit war ich doch etwas verärgert über dass Ende des Radparts.

Nach einem für diesen Tag unspektakulärem Wechsel in die Laufsachen ging es auf die Laufstrecke richtung Zell am See. Von hier aus sollte es über drei Runden, wovon jeden etwas verwinkelt und auf und ab durch Zell am See und dann am See entlang und wieder zurück führt, über die HM-Distanz gehen. Und siehe da; die Wade war wieder frei und der erste Kilometer ging bereits ziemlich flüssig. Leider auch nur dieser! Denn bereits auf dem zweiten Kilometer spürte ich ein ziehen im Oberschenkel welches mich zuerst wenig hinderte da es nur flach entlang des Sees ging. Sofort nach der Abzweigung auf Zell am See rein ging es jedoch kurz ziemlich bergauf und hier merkte ich dass diese Passagen deutlich mehr schmerzten weshalb ich auch bereits auf dem zweiten bergauf Stück durch Zell am See gehen musste. Und das bereits bevor es das erste Runden-Bändchen gab und somit die erste Runde wirklich eingeläutet war. Zugegeben war meine Freude bereits hier vollends verflogen. Aber erst einmal sollte es weiter gehen. Kann ja noch viel passieren. So ging es auf die erste Runde und auch hier gab es die eine oder andere „Steigung“ (Höhenunterschiede entlang des Sees wohl kleiner 3m). Allerdings konnte ich die erste Runde noch größten Teils laufend gestalten. Nur die steileren Stücke durch Zell am See musste ich wieder gehen. Auf der zweite Runde wurden die bergauf/geh Passagen schon deutlich mehr und gegen Ende der zweiten Runde war ein Punkt erreicht welchen man mit “flach und bergab = Schmerztoleranz-Grenze, bergauf = kein Laufen möglich“ zusammenfassen kann. Auf dem Weg zum dritten Runden-Bändchen erschienen mir die restlichen ca. 6,5km auch unschaffbar und der Gedanke ans Aussteigen war wieder da! Aber irgendwie schaffte ich doch den Weg wieder raus zum See und damit sollte auch das Ziel erreichbar sein. Allerdings musste in nun auch schon in den bergab Passagen gehen. Ab km17 zwangen mich dann auch noch Magenkrämpfe mehrfach zum stehenbleiben. Zugegeben; wären diese schon vor der letzten Runde aufgetreten hätte mich nichts auf die letzte Runde gebracht. Meine Stimmung war auch entsprechend negativ. Irgendwann zu dieser Zeit habe ich auch beschlossen dass ich, sollte der Trainingsaufwand des ganzen Jahres auf dieser Strecke nicht zu einer Sub 6h reichen, keine Mitteldistanz mehr machen werde. Irgendwie konnte ich dann gegen Ende doch noch irgendwo Kräfte mobilisieren und wollte mich zumindest einmal den Zuschauern im Zentrum laufend zeigen. Größtenteils ist mir das dann auch gelungen und auf der Ziellinie realisierte ich auch das vielleicht doch noch eine Sub 6 drin ist. Was mich dann doch noch zu einem sehr langen und schmerzhaften Zielsprint verleitete. Endzeit 5:59:59!

Im Ziel selbst konnte ich mich dann keineswegs über die Zeit freuen. Insgesamt war es eine Mischung aus Frust über alles passiert ist, Enttäuschung über die verpasste Chance auf eine Super Zeit (selbst mit einem 2:02 HM aus St.Pölten wäre trotz allem eine 5:45 möglich gewesen!), Zufriedenheit nicht aufgegeben zu haben und dann doch irgendwie Freude über die Sub 6h. Und das ganze musste ich erst einmal verdauen und für mich einordnen was auch mehrere Stunden (Tage) dauerte. Mit der Zeit stellte sich aber immer mehr Zufriedenheit über das trotzdem erreichte ein und mittlerweile bin auch  mit der Zeit zufrieden. Ein gewisses Krisenmanagement gehört einfach zum Langdistanz-Triathlon und dass ich das kann habe ich mir selbst nun auch reichlich bewiesen, was für weitere Aufgaben sicherlich eine gute Erfahrung ist. Auch da mir mein „Ganzkörper-Muskelkater“ nun deutlich zeigt das ich alles abgerufen und einfach an diesem Tag nicht mehr möglich war muss ich mein Fazit wohl etwas abändern.

Also hiermit das neue Fazit: „Ein durch und durch gebrauchter Tag mit einem versöhnlichen Ende!

Der Wettkampf in Zell am See ist in Summe sehr zu empfehlen. Klasse Kulisse, tolle Radstrecke, tolle Laufstrecke und begeisterte Zuschauer überall entlang der Strecke. Und letzteres sogar bei Regenwetter wie wir es dieses Jahr hatten.

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