Immer munter rauf und runter…

Christian über seinen Start beim Ironman 70.3 Germany:

Das ganze Jahr 2013 war ein einziges „rauf und runter“ bei mir. Erst freute ich mich krankheitsfrei und richtig fit durch den Winter gekommen zu sein, dann wurde ich gleich von einer Verletzung und einer Krankheit weit zurückgeworfen.

Mein Plan sah zunächst so aus, dass ich einen Halbmarathon im Frühjahr als Vorbereitung für den Ironman 70.3 St. Pölten laufen wollte und nach der Mitteldistanz der Ironman Nizza folgen sollte. Im Anschluss waren einige regenerative Wochen angedacht um mich dann nochmals auf den Ironman 70.3 Zell am See/Kaprun vorzubereiten, evtl., wenn alles nach Plan gelaufen wäre, als Formtest für die Ironman-WM auf Hawaii, mit der ich geliebäugelt hatte.

Wie es aber wirklich war, das wisst ihr ja mittlerweile. Nach der Krankheit ging es im Steilflug bergauf, und meine Formkurve schien schlicht eine Richtung zu kennen: senkrecht nach oben! So lief St. Pölten eigentlich ganz gut und die Form war knapp eine Woche vor Nizza perfekt für einen möglichen Angriff auf die WM-Qualifikation – die Absage meines Starts in Zell am See wegen Formmangel bereute ich dann schnell. Nizza kostete dann aber durch den Infekt viel mehr Körner als gedacht und so dauerte es sehr lang um mich auf mein spontan neu gesetztes Ziel, der Ironman-EM in Wiesbaden, vorbereiten zu können.

Die Umstellung vom Langdistanz- zum Mitteldistanztraining war richtig hart, alle Einheiten in allen Disziplinen waren nun zwar nicht mehr so lang, dafür jedoch viel schneller und kraftraubender als noch in den Vorwochen. Zudem liegt mir das schnelle Tempo eigentlich gar nicht, aber dennoch liefen die Einheiten zunehmend besser.

Die Form, mit der ich nach Wiesbaden gefahren bin, war zwar nicht so gut wie die vor Nizza  – das wäre aber auch kaum möglich gewesen, zweimal in so kurzer Zeit in absoluter Topform zu sein – aber dennoch war meine Form bei weitem besser als im Vorjahr, als ich bei der Premiere des Ironman 70.3 Zell am See/Kaprun meine Bestzeit von knapp unter 4:50h aufgestellt habe.

Am Sonntag ging ich also sehr zuversichtlich in das Rennen und wollte in erster Linie wieder Spaß am Triathlon haben – durch den enormen Leistungsdruck, den ich mir selbst während der Saison immer gemacht habe, kam dieser dann zu kurz als es nicht nach Plan lief.

Nach Plan lief es dafür leistungsmäßig wieder in Wiesbaden, das Schwimmen war sehr übersichtlich, jedoch musste ich mich durch den Start in einer späteren Welle ab etwa der Hälfte durch die vor mir gestartete Welle kämpfen, was evtl. die 7 Sekunden gekostet hat, die mir für eine Zeit unter 30 Minuten gefehlt haben. Zum Wellenstart: Das Rennen begann für die Profis um 7.30h und danach wurden etwa alle 10 Minuten kleine „Wellen“ mit jeweils einer oder mehreren Altersklassen gestartet. Um 7.55h fiel beisielsweise der Startschuss für alle Männer der AK 18-24 und AK 25-29. Bei insgesamt fast 3000 Teilnehmern (inklusive der Team-Staffel) wurde durch einen solchen Wellenstart das Schwimmen für alle verbessert, weil sich die Felder schneller entzerrten.

Danach hieß es schnell umziehen und ab aufs Rad – jedoch wurde ich von einem Kampfrichter aufgehalten, da das Reglement wohl vorschrieb, dass die Radschuhe entweder bereits am Rad eingeklickt sein oder sie Schuhe im Wechselzelt angezogen werden müssen. Ich dachte hingegen, es wäre auch möglich die Schuhe per Hand bis zum Rad zu tragen und dann direkt davor anzuziehen, so musste ich sie dann auf dem unebenen Sand nach der Wechselzone im Stehen anziehen, inklusive der Socken, was mich dann etwas Zeit gekostet hat.

Das Radfahren begann zunächst gleich mal etwas wellig und ich drückte schön mit hohem Gang drüber und versuchte gleich mal Plätze gut zu machen. „Ich bin doch schließlich nicht zum Verlieren hierhergekommen!“  Aus den Wellen wurden dann aber sehr schnell Hügel und irgendwann hatte man das Gefühl es geht eigentlich nur noch bergauf. Das war schon der absolute Wahnsinn, aber dennoch hat es mir richtig viel Spaß gemacht, da ich solche Strecken sehr gerne mag, da ich dort eigentlich immer viele Plätze gut mache. Am Sonntag hab ich wohl aber selbst auch einen kleinen taktischen Fehler gemacht und bin etwas arrogant mit sehr kleinem Ritzel und großem Blatt über die Anstiege gefahren. Wahrscheinlich hab ich dadurch viele Minuten her geschenkt – im Nachhinein blöd, weil ich genau das nicht machen wollte. Zwar habe ich das im Training in den letzten Wochen immer gemacht, um nochmal richtig Kraft in die Beine zu bekommen, aber wohl wissend, dies im Wettkampf nicht zu machen. Angepeilt hatte ich beim Radfahren eigentlich mein bestes Resultat des Tages, eine 2.30h. Da aber selbst ein Faris Al-Sultan nur eine 2:29h auf der Strecke gefahren ist, muss ich wohl kaum erwähnen, dass meine Ambitionen auf dieser Strecke etwas überzogen waren. Mit knapp über 3 Stunden bin ich aber zufrieden, weil ich alles gegeben und vor allem Spaß hatte. Dieser Spaß ließ beim abschließenden Halbmarathon-Lauf dann aber ganz schön lange auf sich warten. Hatten meine letzten Trainingszeiten noch eine mögliche 1:26/1:25h „hintenraus“ angedeutet, lag ich auf dem Rad mit meinen Gedanken wohl nicht ganz daneben als mir auf den letzten Kilometern nach Wiesbaden folgender Dialog in Erinnerung blieb:

„Ich sollte nicht mehr so stark drücken, ich kann wohl jetzt schon keinen Meter mehr laufen! Ach was, JETZT fahre ich Rad und gebe alles, ich bin bei einer EM, wie ich das dann mit m Laufen hinbekomme, das sehe ich dann, wenn ich meine Laufschuhe anhabe, also nochmal Vollgas bis zur Wechselzone!“

Laufen konnte ich dann irgendwie noch, aber die Betonung liegt wohl auf irgendwie, denn Kraft war auf den ersten knapp 7,5km keine mehr vorhanden und so kam es zweimal vor, dass mir die Knie einknickten und ich fast gestürzt wäre – was haben sich wohl nur die Zuschauer gedacht 🙂

Aber nach 8km kam ich dann glücklicherweise nochmal in einen guten Rhythmus, so dass ich bis etwa 19,9km sehr viele Plätze gut machen konnte. Das Schöne an dem vier mal 5km-Rundkurs durch den Wiesbadener Kurpark ist, dass es wieder farbige Rundenbündchen gibt und man dadurch genau weiß, wen man noch einsammeln muss um einen Platz gut zu machen. Dies half mir dann auch etwa 100 Meter vor dem Ziel, als ich einen in meiner AK startenden Athleten gesehen habe. Eigentlich schon völlig platt, da ich ohnehin schon zwei Kilometer vor dem Ziel zum Schlussspurt angesetzt hatte und alles gegeben habe, suchte ich noch nach den letzten Körnern in meinem Körper um an dem Athleten vorbeizuziehen – in St. Pölten im Frühjahr musste ich auf dem letzten Kilometer einen Athleten ziehen lassen, was ich nicht vergessen werde, da die letzten Meter dank meiner Ausdauer eigentlich die meinen sind. DAS wollte ich mir nicht nochmal bieten lassen und so sprintete ich die letzten knapp hundert Meter mit aller Kraft und verhalf mir so nicht nur zu einem 41. Platz in meiner AK und 5 Sekunden Vorsprung zu Platz 42, sondern auch zu einem grandiosen Zieleinlauffoto (zu finden im Foto-Album zum Rennen in Wiesbaden auf unserer Facebook-Fanseite)

Aller guten Dinge sind drei – so beende ich meine 2013er Triathlon-Saison nun mit meinem dritten Wettkampf 2013 und bin einfach nur glücklich endlich mal wieder richtig pausieren zu können und meinem Körper Ruhe zu gönnen.

Christian

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