The Story of the Ironman Nice 2013!

Christian schreibt über sein Rennen:

Das war er wohl, mein Ironman Nizza…

Gesundheitlich etwas angeschlagen bin ich am Montag, den 17. Juni, nach Nizza geflogen. Allerdings dachte ich, als ich am Dienstag nach mehreren Ruhetagen wieder eine Trainingseinheit gemacht hatte, dass dieser kleine Infekt wieder auskuriert sei. Wie es aber kommen musste, schwebte dann am Samstag wieder ein großes Fragezeichen über den Start am nächsten Tag, da ich wieder die gleichen Symptome wie 7 Tage vorher hatte. Dank einer anderen deutschen Triathletin, die ich bereits beim Ironman Regensburg 2010 kennengelernt hatte und die ich bei der Pasta Party am Freitag getroffen habe, legte ich mir dann am Samstag-Abend noch ein Fieberthermometer zu. Da ich offensichtlich kein Fieber hatte und auch am Sonntag-morgen kein Fieber angezeigt wurde, stand einem Start dann also nichts entgegen. Das Einlaufen war sehr gut und locker, wie auch das Einschwimmen, es sah also sehr gut aus. Ich war hochmotiviert und voll konzentriert mein Ziel zu erreichen, nämlich eine Top 3-Platzierung und wenn möglich natürlich meinen ersten Ironman-Sieg. Immerhin hatte ich die letzten 10 Wochen hart auf eine sichere 9.30h-Endzeit hin trainiert, wobei ich mich in den drei Wochen vor Nizza nochmals viel besser steigern konnte als gedacht und ich dadurch wusste, dass ich auch noch deutlich schneller ins Ziel kommen können müsste. Die letzten harten Laufeinheiten deuteten auf eine Ironman-Marathon-Zeit von 2.55h bis 2.58h hin, also deutlich unter 3h. Sollte es also auf den letzten Kilometern um die Platzierung gehen war ich mir 100% sicher, dass ich nicht den kürzeren ziehen würde. Die Sicherheit bekam ich von meinen Koppeleinheiten 6h Rad und Tempodauerlauf im Anschluss, 8h Radeinheiten oder auch bis zu fast 37km langen Läufen, die allesamt sehr gut liefen.

Dann fiel um 6.30h der Startschuss zum 9. Ironman Nizza und ich ließ es erst mal ruhiger angehen und versuchte nicht all zu viele Schläge einzustecken, wobei es in Nizza so zur Sache ging, wie ich es bisher noch nicht erlebt habe. Nicht nur, dass ich ein paar Wunden davon getragen habe, auch mein Chipband hat sehr darunter gelitten, als irgendjemand sich mit den Fingern darin verfing und durchgezogen hat. Am Ende hing der Chip zum Glück noch an meinem Fuß, aber nur noch an wenigen Fäden statt an einem Band. Abgesehen davon fingen die Schmerzen wegen dem Salzwasser bereits beim Schwimmen an, weil im Nacken mein Neopren 3,8km lang stark gerieben hat. Insgesamt liefen die 3,8km aber noch relativ gut und auch wegen der relativ schlechten Zeit machte ich mir noch keine Sorgen, auch wenn ich wusste, dass ich jetzt knapp 5 Minuten auf dem Rad aufholen musste. Wegen der doch relativ hohen Wellen im Meer, war die Orientierung leider sehr schwer und letztlich sind wir geschlossen immer zickzack in die falschen Richtungen geschwommen, inklusiv dem Ausstieg. Andere haben da allerdings 20 Minuten und mehr beim Schwimmen verloren, daher bin ich damit eigentlich doch ganz zufrieden.

Beim Rad fingen die Probleme dann allerdings relativ schnell an. Bereits auf den ersten 20 Kilometern wurde ich von allen Athleten regelrecht stehen gelassen und da kam dann schon der erste Gedanke auf, dass da was nicht stimmen kann, da ich auf den 180km eigentlich ganz gut mithalten kann von Beginn an und ich 2013 wegen dem guten Training sehr viel aggressiver und damit schneller losfahren wollte. Da ich immer ohne technische Geräte (Tacho, Uhr) meine Rennen mache, also ganz nach Gefühl, dachte ich mir, dass sich alle anderen wohl übernehmen würden, weil ich wirklich am Anschlag gefahren bin. Als nach etwa 20km der erste Anstieg kam, wurde aber deutlich, dass sich die anderen wohl nicht übernommen hatten, sondern doch der Infekt nicht auskuriert sei, denn ich weiß kein einziges Rennen, bei dem mich am Berg jemand stehen hat lassen, im Normalfall „fliege“ ich mit einem relativ hohen Gang am Berg an meinen Konkurrenten vorbei. Die sehr bergige Strecke durch die Alpen war deshalb ein wesentlicher Grund, warum ich mich für den Ironman Nizza entschieden habe, könnte ich hier meine Stäken schließlich über fast die ganze Strecke ausspielen.

Bis etwa km 30 ging das Überholen munter weiter, bis ich irgendwann eine richtig gute Phase erwischt habe, als ich plötzlich Kraft in den Beinen hatte und es richtig rund lief. Auf diesem bergab-Stück konnte ich sehr viele Athleten wieder einsammeln und gerade in meiner AK wieder zwei Plätze gut machen. In diesem Augenblick dachte ich mir, dass ich evtl. einfach zu wenige Wettkämpfe in den Beinen hatte und daher ein paar Kilometer benötigt hätte um richtig in Tritt zu kommen. Wenige Kilometer später wurde ich aber dann von allen wieder regelrecht stehen gelassen, und das ging leider dann bis zur Wechselzone die „180km“ so weiter.

Nachdem ich bereits bei Kilometer 80 am Ende meiner Kräfte war und auch bergab (!) keine Kraft mehr zum treten der Pedale hatte, wollte ich endgültig aus dem Rennen aussteigen, da ich nicht wusste, ob ich noch 100km auf der schweren Strecke schaffen würde, zumal zu dem Zeitpunkt auch mein Kreislauf erhebliche Probleme bereitete.  Aussteigen kommt im Normalfall für mich nicht in Frage, aber wenn es um meine Gesundheit geht, dann steht diese immer im Vordergrund, denn das Rennen hat gezeigt, dass nur ein gesunder Körper in der Lage ist Bestleistungen zu produzieren und der Ausstieg war bereits seit Kilometer 40 im Kopf.

Also hielt ich eine von hinten kommende Kampfrichterin auf und fragte diese, was ich tun soll, weil ich aussteigen will. Die Übersetzung dauerte zwar ein bisschen, weil sie kaum Englisch gesprochen hat, dennoch hat sie mir dann erklärt, dass ich einfach an der gleich kommenden Verpflegungsstelle anhalten und auf den Besenwagen warten sollte, ich das aber doch bestimmt ins Ziel schaffe und nicht aufgeben soll. Das war ganz nett gemeint, aber mir ging es ja um meine Gesundheit, was sie wohl einfach sprachlich nicht verstanden hat. Jedenfalls war dann auch eins deutlich, aus den Alpen würde ich nur so wieder mit dem Rad ins Ziel zurück kommen und das würde noch Stunden dauern – allein bis dieser kommen würde. Also machte ich mit ihr aus, dass ich einfach so weit weiter fahren würde bis es überhaupt nicht mehr geht und dann dort warte. Eventuell würde ich es ja selbst dann schneller in die Wechselzone nach Nizza schaffen.

Zu diesem Zeitpunkt war ich aber 100% davon überzeugt, das Rennen dann aufzugeben – nur irgendwann kam dann spätestens nach 160/170 Kilometern der Gedanke auf, dass ich noch relativ viele Stunden Zeit hätte und ich zumindest gehend versuchen sollte das Rennen zu beenden, schließlich würde ich sonst nicht einmal eine Finishermedaille und das Finishershirt bekommen. Und die beiden wollte ich dann schon mit nach Hause nehmen, wenn ich denn schonmal da war. Also zog ich dann doch in der Wechselzone meine Laufschuhe an. Da die Wechselzone in Nizza sehr, sehr lang ist, merkte ich schnell, dass die Beine beim Laufen gar keine Probleme bereiten und dass evtl. nur die Kraft fehlen würde. Deshalb versuchte ich einen relativ lockeren 5er-Schnitt zu laufen, das sollte eigentlich problemlos möglich sein, hatte ich doch auf 4:15min/km oder schneller trainiert, und am Ende wäre dies dann immer noch ein Marathon um die 3:30h.

Da die ersten Kilometer sehr locker waren, steckte ich mir schon den Plan, ab der Halbmarathonmarke dann langsam das Tempo doch noch zu steigern in Richtung 4:15min/km, um noch Plätze in meiner AK gut zu machen und zumindest eine Zeit unter 11h nach Hause zu bringen. Da es auf der Strecke zwei Uhren gab wusste ich wo ich stehe, obwohl ich grundsätzlich keine Uhr mit dabei habe, und eine Zeit unter 11h war dann eigentlich schon sicher geglaubt, als nicht plötzlich von einem Moment auf den anderen die Probleme vom Rad auch beim Laufen anfingen. Erst drosselte ich immer weiter das Tempo, bis ich irgendwann auf schnelles gehen umsteigen musste. Wann genau das war, weiß ich nicht mehr. Das einzige, an das ich mich noch erinnern kann ist, dass ich nicht mehr laufen und ab etwa km 35 selbst kaum mehr gehen konnte. Was ich mir nie vorstellen konnte (gerade wenn man diesen Zieleinlauf im Kopf hat: „Sian Welch & Wendy Ingraham – The Crawl – 1997, YOUTUBE“), das war, dass GEHEN (!) so schmerzhaft sein kann, dass man zum heulen beginnt, weil die Schmerzen so unerträglich geworden sind. Solche Schmerzen hatte ich in meinem Leben noch nicht mal annähernd erlebt, und ich bin fast 100%ig sicher, dass ich das eigentlich auch nicht mehr schaffen kann. Bei etwa Kilometer 30 an der letzten Wende war mein Gedanke bereits: „Kann sterben überhaupt noch schlimmer sein?“, fünf Kilometer später hätte ich die Frage wohl mit einem klaren „Nein!!“ beantwortet.

Aus diesem Grund bin ich mit meinem Rennen sehr glücklich, einen Tag danach – nachdem ich gestern noch nicht wusste, ob es das dümmste war, was ich jemals getan habe, was meine Gesundheit betrifft. Aber ich bin heute ohne Fieber aufgewacht und habe das Rennen wohl ohne langfristige Schäden beendet, weswegen ich heute sagen würde, dass das die mit Abstand beste Leistung meines Lebens war, obwohl ich meine Zielzeit von 9.30h klar verfehlt und die mit Abstand schlechteste Zeit bisher in einem Langdistanz-Rennen gemacht habe. Meine Fnishermedaille wird in Ehren gehalten, genauso wie mein Fnishershirt.

An dieser Stelle nochmals offiziell DANKE an alle fürs Daumen drücken, für’s Unterstützen in den letzten Wochen, Monaten und Jahren, auf alles was ihr für mich getan habt und ein großes Entschuldigung, dass ich es nicht mit einem besseren Platzierungs-Ergebnis wieder gut machen konnte. Gleichzeitig aber auch vielen Dank an meinen Papa, der mir mit 100%-iger Sicherheit die Kraft „von oben“ gegeben hat, das Ziel zu erreichen und dank dem ich diese Schmerzen aushalten konnte!

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